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XX. montalbâne 2010 - Fortsetzung
Das Konzert am Sonnabend Nachmittag spielten La Ziriola. Rhetorisch und fiktiv ließen die "Nachtigallen" Walther von der Vogelweide und Oswald von Wolkenstein in Wettstreit zu einander treten - wer von den beiden den Streit für sich entschied, kann nicht gesagt werden - gewonnen hat auf jeden Fall das Publikum: nämlich einen unterhaltsamen und schönen Nachmittag.
Wesentlich ernster begann am Abend das Programm von Sarband. Ähnlich dem Konzert von La Ziriola wurden auch hier zwei Kulturen gegenüber gestellt, die üblicherweise nicht zeitgleich auf einer Bühne zu hören sind. Gregorianischer Gesang neben Koran-Suren-Vortrag. Arabische Ney und Santur neben Harfe und Fidel. Lange, sehr lange, ließ Vladimir Ivanov, der Leiter des Ensembles Sarband dieses Nebeneinander äußert puristisch und spartanisch arrangierter Stücke laufen, bis sich die Spannung ins schier Unermeßliche gesteigert in einem furiosen Miteinander aller Sänger und Instrumentalisten entlud. Besonderes Sahnehäubchen bei diesem Konzert: zwei wirbelnde Derwische, die sich minutenlang in atemberaubender Geschwindigkeit auf der Stelle drehten, das einem schon vom bloßen Zuschauen schwindelig wurde.
Später am Abend gab es dann das volle Kontrastprogramm. Zwei Musiker nur, anstatt neun. Keine heiteren Themen waren zu hören, keine lustig anzuschauenden Tänzer waren zu sehen, statt dessen gab es düstere Botschaften von der Apokalypse: Sequentia standen auf der Bühne! Um das Jahr 1000 herum war die Angst vor dem Ende aller Zeiten offenbar besonders groß - jedenfalls wurden apokalyptische Themen zu jener Zeit recht häufig zu Pergament gebracht. Einige dieser, leider meist nur fragmentarisch erhaltenen Werke, brachte Benjamin Baby, begleitet von Norbert Rodenkirchen mit dem Programm "Endzeitfragmente" zu Gehör.
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Wort- und stimmgewaltig trug Baby diese frühen Bruchstücke angelsächsischer und althochdeutscher Sangspruchdichtung vor.
Da das Publikum dieser alten Sprachen aber meist nicht mächtig ist, halfen die im Programmheft abgedruckten Übersetzungen, dem Fortgang der Dichtungen folgen zu können. Für den Rezensenten zweifellos der "Favorit" des diesjährigen Festivals.
Am Sonntag Nachmittag dann sang Marco Beasley, begleitet von zwei Lautenisten, italienische Lieder des 16. Jahrhunderts. Erstaunlich, wie ein so kleiner Mann eine Bühne so in Beschlag nehmen kann - er war einfach präsent und zog das Publikum in seinen Bann! Sogar Tränen sollen geflossen sein - vor allem wohl beim weiblichen Publikum. So ein schön singender Mann aber auch! Lieder voller Sehnsucht und Liebe, voller Herz- und Weltschmerz - und trotzdem kurzweilig. Die Lautenisten spielten unauffällig einen tollen begleitenden Klang und konnten in einigen instrumentalen Stücken ihre unglaubliche Fingerfertigkeit vorführen. Was für ein Furioso! Mehrere Zugaben musste Marco Beasly geben, bevor er von einem dankbaren Publikum entlassen wurde.
Ross Daly setzte am Abend aber dem ganzen eine Krone auf. Traditionsgemäß gehört der Sonntagabend einem "Ethno" Konzert, also einem Konzert, in dem weniger Mittelalterliches, sondern mehr traditionelle Musik zu hören ist. Diesmal eben kretische Musik von Ross Daly - einem irischstämmigen Musiker, der seit mehr als 30 Jahren auf Kreta lebt und wirkt. Es war großartig! Unglaublich, welche Klangfülle aus den zwei kleinen "Lyra" genannten Streichinstrumenten (Daly und Kelly Thoma) und einer "Laouto" (Giorgos Manolakis) kam. Ein ganzes Streichorchester aus 3 Instrumenten. Es war fantastisch anzuhören, wie die Musiker aus rasend schnellen Läufen in ruhige Passagen wechselten. Der Gesang von Manolakis ging nahtlos über in das singende, klagende Spiel der Lyren. Ich glaube, dass war das mitreißendste Konzert des ganzen Festivals.
Bleibt als Fazit festzuhalten, das dies das seit langem beste Festival "montalbâne" war - ganz, wie es sich für ein Jubiläumsfestival gehört!
(mu)
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